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Papyri Online

Die Papyrussammlung des Instituts für Altertumswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena gehört mit ihren mehr als 2000 Papyri und Ostraka zu den größeren deutschen Sammlungen. Begründet wurde sie vor dem ersten Weltkrieg: Die meisten Stücke kamen zwischen 1904 und 1913 aus Ankäufen des Deutschen Papyruskartells nach Jena. Später kamen kleinere Schenkungen hinzu, darunter besonders die Privatsammlung des Jenaer Gräzisten, Papyrologen und mehrfachen Rektors Friedrich Zucker.

Die Sammlung enthält Texte in zahlreichen Sprachen. Dabei überwiegt das Griechische bei weitem, doch auch demotische, koptische, arabische und sehr wenige lateinische Texte sind vertreten. Die weitaus meisten Texte sind dokumentarisch (Edikte, Verträge, Rechnungen, Privatbriefe u. a.). Literarische Texte kommen, wie in fast allen anderen Papyrussammlungen auch, vergleichsweise sehr selten vor.

Hier ausgestellt sind ein literarischer und ein dokumentarischer Papyrus. Der literarische ist in einer gut lesbaren, geradezu luxuriösen Buchschrift geschrieben. Er enthält die Verse 64–69 aus den Bakchen, der letzten Tragödie des 406 v. Chr. verstorbenen Euripides. Eine möglicherweise alte Variante (67 εὐκαμέτη statt εὐκάματον) und ein klarer banalisierender Fehler (64 γᾶς statt γαίας) gegenüber den über 1000 Jahre jüngeren Handschriften geben dem Papyrusfragment textkritischen Wert.

Der dokumentarische Papyrus zeigt, dass bei der Verteilung der Stücke durch das deutsche Papyruskartell Zusammengehöriges gelegentlich auseinandergerissen wurde (s. Abbildung). Der Absendername (ΖΗΝΟΒΙΟϹ = Zênobios) des auf den 14. Januar 231 v. Chr. datierten Verwaltungsbriefs kam nach Jena, der Rest nach Halle. Im Brief ordnet Zenobios an, dass ein Mann aus Syene (Assuan), der vorgibt, nachtblind zu sein, und deswegen seinen Dienst nicht ausüben kann, vorgeführt werden soll.