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Keilschrift online lesen

Eine Aufgabe der Hilprecht-Sammlung ist es, 4000 Jahre alte Keilschrifttafeln und -fragmente mittels unterschiedlicher Methoden wieder lesbar zu machen, so dass sie in einen größeren Zusammenhang gestellt werden können. Zentral dabei ist die Vernetzung von Sammlungen sowie die freie Verfügbarkeit guter Fotografien oder Scans von Tontafeln in online-Datenbanken.

Dank online zugänglicher Scans der Fragmente N 1338 und N 4026 aus Philadelphia erkannte Elyze Zomer (Leipzig), dass diese zur Jenaer Tafel HS 1885 [1] gehören. Die Fragmente der in der Antike zerbrochenen Tafel aus Nippur waren bei der Fundteilung auf die Hilprecht Sammlung und das University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology aufgeteilt worden. Die virtuelle Zusammenfügung aller Bruchstücke ermöglichte die Rekonstruktion eines bisher unbekannten Königepos aus der Zeit von ca. 1500 v. Chr. In ihm erzählt Gulkischar, König der ersten Meerland-Dynastie, von seiner Schlacht gegen Samsuditana, dem letzten König der ersten Dynastie von Babylon, deren bekanntester Regent Hammurapi war.

Im Fall von HS 2536 + HS 2714 [2] konnte Jana Matuszak (Jena) nach der Durchsicht von nie veröffentlichten Bleistiftkopien von Johannes J. A. van Dijk (1915-1996) die unter verschiedenen Inventarnummern verbuchten Bruchstücke wieder zu einer Tafel zusammensetzen. Carmen Gütschow (Berlin) hat die Tafel so restauriert, dass die ursprüngliche Form nun erstmalig wieder erkennbar ist. Es handelt sich um ein wichtiges Manuskript eines sumerischen literarischen Streitgesprächs zwischen zwei Frauen, das einzigartige Einblicke in das Frauenbild um 1800 v. Chr. bietet.

Um künftig solche Entdeckungen zu erleichtern, werden aktuell in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin 3D-Scans aller Objekte der Hilprecht-Sammlung erstellt.