Geschichte der Ur- und Frühgeschichte in Jena

InstitutsgeschichteKurzfassung

Die „Archäologie der Ur- und Frühgeschichte“ blickt an der Uni Jena auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurück. Bereits vor über 150 Jahren bot die Universität Vorlesungen zur prähistorischen Archäologie an, und nur wenige Jahre später, 1863, wurde an der Universität der Grundstock zur Sammlung für Ur- und Frühgeschichte gelegt, heute einer der ältesten und mit 45.000 Fundeinheiten größten Sammlungen ihrer Art an einer deutschsprachigen Hochschule.

Anfänge

Am Anfang stand kein gelernter Archäologe. Vielmehr kam der Anstoß zur Entwicklung des Faches in Jena von einem Autodidakten: Friedrich Klopfleisch (*1831, †1898), promovierter Kunsthistoriker, der seit 1859 an der Universität Jena lehrte, zuerst als Privatdozent und ab 1875 dann als Professor.

Von Beginn seiner Lehrtätigkeit an folgte Klopfleisch neben der Kunstgeschichte seiner zweiten, am Ende wahrscheinlich größten intellektuellen Leidenschaft: der Vorgeschichte. So beschäftigte er sich in seinen Vorlesungen auch mit den „vor-geschichtlichen“ Zeiten Europas und wurde damit zum Begründer der prähistorischen Archäologie an der Universität Jena ‒ die damit ihrerseits zu den ersten Universitäten in Deutschland zählt, an denen dieses Lehrfach angeboten wurde.

Klopfleischs Interesse brachte ihn auch dazu, Ausgrabungen in Jena und Weimar sowie den benachbarten Landschaften durchzuführen. Und so wurde Klopfleisch nicht nur zu einem großen Archäologen seiner Zeit, sondern führte auch ein, was bis heute das Spezifikum der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie an der Universität ist: das Dreigestirn aus Forschung, Lehre und umfangreicher archäologischer Sammlung.

Konsolidierung

Im Jahr 1898 starb Klopfleisch. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu einer Verfestigung der dreigliedrigen Struktur. Dies ist, wie so häufig in solchen Fällen, dem Einsatz einzelner Personen zu verdanken.

Da ist zum einen Gustav Eichhorn zu nennen (*1862, †1929). Hauptberuflich Arzt, bemühte er sich vor allem um die Systematisierung und Vergrößerung der archäologischen Sammlung. Dann Gotthard Neumann (*1902, †1972), der zweiten zentralen und bis heute wirkungsmächtigsten Figur jener Jahre: Denn war vieles von dem, was Eichhorn tat, noch tastender Natur, ein Ausprobieren und Suchen nach dem richtigen Weg, war Neumann derjenige, unter dem die Organisation von Forschung, Sammlung und Lehre eine konsolidierte Form fand.

Neumann führte Lehrstuhl und Sammlung, die damals noch ein eigenes Museum umfasste (das „Germanische Museum“), bis zum Ende des Nationalsozialismus: Dabei zog er durchaus Nutzen aus der Aufwertung der „Ur- und Frühgeschichte“ durch die Nazis. Gleichwohl spricht es für Neumann, dass er der Ideologisierung archäologischer Forschung keinen Vorschub leistete. Eher weisen Inhalt und Ausdruck seiner Veröffentlichungen aus diesen Jahren auf eine neutrale Darstellung archäologischer Sachverhalte hin.

Neuanfang – Krise – zweiter Neuanfang

Nach dem Krieg verlor Neumann seine Position an der Universität Jena. Die Lehre ruhte in den folgenden Jahren. Erst im Herbst 1947 wurde sie wieder aufgenommen, und zwar durch den Prähistoriker Günther Behm (*1912, †1994, ab 1953 Behm-Blancke). Im Jahr 1953 kehrte außerdem Neumann als Professor an Institut und Sammlung zurück, wo er bis er zu seiner Emeritierung 1967 blieb.

Das Jahr 1947 markiert dabei auch den Moment, ab dem das zentrale Museum zur Vor- und Frühgeschichte in Thüringen von Jena nach Weimar verlagert wurde; was in Jena verblieb, war allerdings nichts Geringeres als die umfangreiche Sammlung selbst, mitsamt dem zugehörigen Archiv – bis heute.

Dessen ungeachtet handelt es sich nach 1945 um eine Zeit vergleichsweise großer Stabilität für Sammlung und Institut. Die vor dem Krieg aufgebauten und etablierten Strukturen wurden fortgeführt und bildeten den Rahmen für die wissenschaftliche Prosperität der folgenden Jahre.

Bis zum Jahr 1968: Dieses Jahr sah den bis dahin größten Einschnitt in der Entwicklung des Faches an der Universität Jena. Im Zuge der dritten Hochschulreform der DDR wurde in Jena das Fachstudium „Archäologie der Ur- und Frühgeschichte“ eingestellt, was blieb war einzig die Beteiligung am Studium Lehramt Geschichte.

Doch so tief der Einschnitt von 1968 auch war: Er hätte noch weit schmerzhafter ausfallen können. So aber war immerhin ein Mindestmaß an struktureller Kontinuität gewährleistet; und dieses Mindestmaß bildete 1991 die Grundlage für die Wiederaufnahme der regulären Hochschullehre im Fach „Archäologie der Ur- und Frühgeschichte“ in Folge der politischen Wende.

Damit begann eine zweite Phase struktureller und wissenschaftlicher Stabilität, die bis heute andauert. Kern ist, wie bereits vor über 100 Jahren, die Verknüpfung aus Forschung, Lehre und Sammlung. Prägend für diese Phase sind die Professoren Karl Peschel (*1934), der bereits 1969 maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Reformen des Jahres 1968 vergleichsweise milde ausgefallen waren, und Peter Ettel (*1960) für die Vor- und Frühgeschichte sowie Dietrich Mania (*1938) und Clemens Pasda (*1964) für die Urgeschichte.

Ausführliche Informationen:

http://www.ufg.uni-jena.de/Institut/Geschichte.html

Abbildung:

Professoren am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Jena bis zum Jahr 2000. a: Friedrich Klopfleisch, b: Gustav Eichhorn, c: Gotthard Neumann, d: Günther Behm-Blancke, e: Karl Peschel und f: Dietrich Mania. – a-e: Ettel 2016 (im Druck); f: Uni Journal Jena Juni 2002.

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