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Altorientalistik in Jena

Die Altorientalistik – traditionell "Assyriologie" genannt – kann in Jena auf eine alte Tradition zurückblicken. Eberhard Schrader (1836-1908), der die Disziplin in Deutschland einführte, war hier von 1873 bis 1875 Professor für Altes Testament. Im Gasthof „Zur Sonne“ überzeugte er 1873 den gerade aus Leipzig eingetroffenen Friedrich Delitzsch (1850-1922), der hier seine indologischen Studien weiterverfolgen wollte, sich von ihm in die Assyriologie einführen zu lassen. Delitzsch bekleidete in der Folge die erste Professur für Assyriologie in Deutschland (1877 außerordentlicher, 1885 ordentlicher Professor in Leipzig, 1893 Breslau, 1899 Nachfolger Schraders in Berlin). 1909 bis 1909 hatte Delitzschs Schüler Arthur Ungnad (1879-1947) in Jena eine außerordentliche Professur für orientalische Sprachen inne.

1925 hinterließ der aus Sachsen-Anhalt stammende Gelehrte Hermann Vollrat(h) Hilprecht seine orientalische Sammlung, die hauptsächlich Keilschifttexte umfasste, der Universität Jena. Sie sollte seinem letzten Willen gemäß "Frau Professor Hilprecht Collection of Babylonian Antiquities" heißen, wird aber meist abgekürzt "Hilprecht-Sammlung" genannt.

1993 wurde der letzte Kustos der Sammlung, J. Oelsner, auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Altorientalistik berufen. 1996 wurde dieser Bestandteil des neu gegründeten "Instituts für Sprachen und Kulturen des Alten Orients" (ISKVO), das die Fächer Altorientalistik, Semitistik und Islamwissenschaft umfasste.

Ende 2015 ging das ISKVO im "Institut für Indogermanistik, Orientalistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie" auf. Die Altorientalistik hat seither innerhalb des Instituts den Status eines "Seminars".

Literatur:

J. Oelsner, Zur Geschichte der "Frau Professor Hilprecht-Sammlung Vorderasiatischer Altertümer im Eigentum der Friedrich-Schiller-Universität Jena", in: E. Kluwe; J. Sliwa (Hgg.), Zur Geschichte der Klassischen Archäologie Jena - Kraków (Wiss. Beiträge der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1985) 46-53.

Ders., Altorientalistik in Jena. Teil 1: MDOG 139 (2007) 71-81; Teil 2: MDOG 140 (2008) 75-88; Teil 3(Schluss): MDOG 141 (2010) 11-20.