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Sammlungen

Leitung: 

Prof. Dr. Norbert Nebes 
E-Mail:  

Institut für Orientalistik, Indogermanistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie
Lehrstuhl für Semitische Philologie und Islamwissenschaft
Löbdergraben 24a, D-07743 Jena, Deutschland
Tel. +49 (3641) 944850
Fax +49 (3641) 944852

Sammlungsmanagement: 

Dr. Babett Forster,
Peter Blank M.A.

Weitere Informationen:

Nicht-öffentliche Sammlung, wissenschaftliche Nutzung nach Voranmeldung.


Cheops-Pyramide

Wilhelm Hammerschmidt (tätig ca. 1860 bis 1870): Gizeh, Cheops-Pyramide, vor 1864, signiert: 
"W. Hammerschmidt 181", Albuminpapierabzug vom Glasnegativ 27,4 x 22,0 cm, InvNr. 0244.1. 
Die kleine Karawane transportierte wahrscheinlich seine Fotoausrüstung. 
In dem kleinen Zelt unter dem Baum rechts beschichtete er vermutlich die Glasplatten,
die man zu seiner Zeit nur in feuchtem Zustand belichten konnte.

 

Eine umfangreiche Sammlung früher Orientfotografien gehört wie die Frau Professor Hilprecht Collection of Babylonian Antiquities und das Orientalische Münzkabinett zu den Schätzen des Instituts für Orientalistik, Indogermanistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie in Jena. Über 550 großformatige Originalabzüge der berühmten Fotostudios aus Konstantinopel, Beirut, Kairo, Alexandria und Port Said aus der Zeit zwischen 1850 und 1890 stellen eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art dar. Sie wurde von dem Dresdner Geologen und Lateinamerikaforscher Alphons Stübel (1835-1904) zusammengetragen und kam Anfang des 20. Jahrhunderts in den Besitz der Universität Jena. Die Fotografien des 19. Jahrhunderts aus der Zeit vor Rollfilm und Massenfotografie sind nicht nur wichtige, bislang wenig genutzte Dokumente für die Architektur, Sozial- und Kunstgeschichte des Orients, sondern erlauben einen frischen Blick auf eine längst untergegangene Zeit, noch vor oder gerade am Beginn der umwälzenden Veränderungen in den Ländern des Vorderen Orients.

Der Ankauf des Verfahrens von Daguerre durch die französische Akademie der Wissenschaf­ten im Jahr 1839, der als offizieller Beginn der Fotografie gilt, wurde unter anderem mit der Möglichkeit begründet, Hieroglyphen auf ägyptischen Monumenten schnell und genau ko­pieren und dokumentieren zu können. Jedoch war die Ursache für die rasche Anwendung und Verbreitung des Mediums im Orient vor allem der seit den dreißiger und vierziger Jahren einsetzende Tourismus des wohlhabenden europäischen Bürgertums (1835 erste regelmä­ßige Fährverbindung zwischen Marseille und Alexandria; Reiseagentur "Thomas Cook") und deren Nachfrage nach preiswerten Souvenirs. Fotografen der ersten Generation waren ein­zelne Europäer, die durch ihren Beruf - der Schotte James Robertson war Chefgraveur der osmanischen Münzstätte - oder aus Reiselust in den Orient kamen. In der zweiten Genera­tion waren christliche osmanische Bürger, Griechen wie Zangaki, aber vor allem Armenier wie G. Lékégian und die Abdullah Frères (Abdullahian) häufig Inhaber der Studios. Sie alle beobachteten eine Zeit, in der sich der Orient an der Schwelle zur Moderne befand. Wie bei Wilhelm Hammerschmidt, Robert Murray oder der Jenaer Neuentdeckung D. Claus sind nä­here Lebensumstände vieler früher Photographen unbekannt. Der Niedergang der Studios setzte Anfang der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts mit der Einführung der Kodak Nr. 1 und dem Rollfilm ein. Die einfache Kamera erlaubte dem Touristen seine eigenen fotografi­schen Ansichten.
Erstmals zeigte im Sommer 1999 eine in Zusammenarbeit mit dem Fotozentrum der Univer­sität entstandene Ausstellung "Der Orient im Blick. Die großen Fotostudios des 19. Jahrhun­derts" eine Auswahl von 25 Reproduktionen der lange vergessenen Alphons-Stübel-Samm­lung. Diese Ausstellung wurde vom 14. März bis 14. Juni 2001 auch im Goethe-Institut in Alexandria gezeigt.

 

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James Robertson (1813-1888): Konstantinopel (Istanbul), vor 1857, signiert: "Robertson",
Salzpapierabzug vom Papiernegativ (?) 30,5 x 21,9 cm, InvNr. 0017.1. Der gebürtige Brite 
kam nach 1840 als Chefgraveur und Oberaufseher der osmanischen Münzstätte nach 
Konstantinopel. Er ist insbesondere durch seine Zusammenarbeit mit Felice Beato bekannt,
mit dem er den Krim-Krieg dokumentierte. Robertson führte eine genaue Bildregie, die nichts 
dem Zufall überließ: hier die Hagia Sophia. Im Bild sind einiger Personen aufgrund der langen 
Belichtungszeit nur schemenhaft zu sehen, die Robertson für seine Aufnahme nicht arrangiert hatte.



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Zangaki: Ägypten, Elephantine, vor 1890, signiert und beschriftet: "Zangaki", "Vue [...] Elephantine 
[?] [...]", Albumin- oder Kollodiumpapierabzug 27,5 x 21,8 cm, InvNr. 0257.1. Bis heute ist die Identität 
des oder der Fotografen Zangaki nicht geklärt. Möglicherweise handelt es sich um das manchmal mit 
"C. und G." signierende Brüderpaar griechischer Abstammung. Neben topografischen Aufnahmen sind 
von ihrer Hand vor allem auch Genre- und Studioaufnahmen überliefert.

 

 

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Abdullah Frères (tätig zwischen 1858-1899): Kairo, Pilgerkarawane, vor 1890, signiert und beschriftet: 
"Abdullah Frères", "Procession de Mahmel No. 330", Albuminpapierabzug 22,5 x 19,2 cm, InvNr. 0220.1. 
Die Armenier Hovsep, Vichen und Kevork Abdullah betrieben sehr erfolgreich ein Fotostudio in Istanbul 
und traten1862 als Hoffotografen in die Dienste des osmanischen Sultans. Der fotobegeisterte Sultan Abd 
al-Hamid II. vergab an sie den Auftrag, eine umfassende Fotodokumentation seines gesamten Reiches zu 
erstellen. Die hier gezeigte Aufnahme thematisiert die Abreise der Pilgerkarawane von Kairo nach Mekka.
In der Bildmitte der Mahmal, der Prozessionsschrein, der das Zentrum der Karawane bildet.

 

 

 

  1. Stefan Heidemann: Der Orient im Blick - Die großen Photostudios des 19. Jahrhunderts - Ausstellung in Jena vom 26. Juni bis 25. Juli 1999. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 149 (1999), S. 377-384.
  2. Ders.: Den Orient im Blick. In: Rundbrief Fotografie N.F. 25 (2000), S. 37-39.
  3. Babett Forster: Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografien, In: Ariane Lorke/Helmut G. Walther (Hg.): Schätze der Universität. Die wissenschaftlichen Sammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena 2009, 87-92.
  4. Dies.: Reisefotografien als Sammlungsobjekte des 19. Jahrhunderts. Die Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografien 1857 - 1896, In: Fotogeschichte, H. 110, Winter 2008, 71.
  5. Dies.: Fotografie als Sammlungsobjekte im 19. Jahrhundert. Die Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografie, Weimar 2013. http://www.vdg-weimar.de/katalog/Fotografien-als-Sammlungsobjekte-im-19-Jahrhundert-729.html

Leitung:

Prof. Dr. M. Krebernik

Institut für Orientalistik, Indogermanistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie 
Lehrstuhl Altorientalistik
Zwätzengasse 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944871 
Fax: 03641 / 944872
 

Homepage:

http://hilprecht.mpiwg-berlin.mpg.de

 

Internetpräsenz:

http://sammlungen.uni-jena.de/home/sammlungen/a/detail.html?tx_jobkrbase_pi1009%5BjoDetail%5D=4&cHash=9c71eabeebafe7c9d8386455b02fefda 

 

Publikation:

Eine Informationsbroschüre zur Sammlung ist im Uni Shop erhältlich.

 

Förderverein:

Förderverein Altorientalistik und Hilprecht-Sammlung Jena e.V.

Weitere Informationen:

Nicht-öffentliche Sammlung,
wissenschaftliche Nutzung nach Voranmeldung.


Leitung: 

Prof. Dr. Norbert Nebes
E-Mail:  

Institut für Orientalistik, Indogermanistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie
Lehrstuhl für Semitische Philologie und Islamwissenschaft
Löbdergraben 24a, D-07743 Jena, Deutschland
Tel. +49 (3641) 944850
Fax +49 (3641) 944852

Sammlungsmanagement: 

Josef Jeschke
e-mail:  

Beratende wiss. Koordination: 

Prof. Dr. Stefan Heidemann 
e-mail:   

Internetpräsenz:

1500 Objekte des Kabinetts sind unter http://www.kenom.de/institutionen/isil_DE-MUS-044822/ öffentlich einsehbar.

Weitere Informationen:

Nicht-öffentliche Sammlung, wissenschaftliche Nutzung nach Voranmeldung.

 

Das Orientalische Münzkabinett in Jena

Das Orientalische Münzkabinett der Universität Jena ist die zweitgrößte öffentliche deutsche Sammlung orientalischer Münzen mit heute etwa 21.000 Münzen und münzähnlichen Objekten. Im 19. Jahrhundert stellte das Orientalische Münzkabinett ein in seiner Art wohl einzigartiges Zentrum für Islamische Numismatik an einer deutschen Universität dar. Die Sammlung bildete eine der Grundlagen für diesen Wissenszweig. Bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg bestand es in Personalunion mit dem Orientalischen Seminar. Nach fünfundsiebzigjähriger Vakanz wurde im Jahr 1994 in Jena wieder ein Lehrstuhl für Semitische Philologie und Islamwissenschaft eingerichtet. Seitdem wird das Orientalische Münzkabinett als historisches Forschungsinstrument wieder aufgebaut.


Die Anfänge

Die Geschichte der orientalischen Numismatik in Jena ist älter als die Sammlung selbst. Im gleichen Jahr als Goethe nach Weimar kam, im Jahr 1775, hielt Johann Gottfried Eichhorn (1752-1827) seinen Habilitationsvortrag als neuberufener Professor für Theologie und orientalische Sprachen über die Anfänge des arabischen Münzwesens: De rei numariae apud Arabas initiis (Jena 1776). Ab 1781 gab er postum die "Briefe über das Arabische Münzwesen" von Johann Jakob Reiske (1716-1774) heraus. Es ist der erste Versuch eines Handbuch zur Islamischen Numismatik und eines der frühesten Veröffentlichungen zur Islamischen Numismatik und das erste in deutscher Sprache.

 

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Die Goldmedaille von W. Uhlmann auf Johann Gustav Stickel aus dem Jahr 1889.

 

Die Gründung im Jahr 1840

Die Gründung des Großherzoglichen Orientalischen Münzkabinetts im Jahr 1840 steht sowohl im engen Zusammenhang mit der Neuorientierung der Orientalistik in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts als auch mit der Kultur am Weimarer Hof. Eine äußerst günstige personelle Konstellation erlaubte den Ankauf der ersten Sammlung orientalischer Münzen. Der Gründer, der Theologe und Orientalist Johann Gustav Stickel (1805-1896) hatte in Jena und in Paris studiert und war der neuenphilologisch ausgerichteten Orientalistik verpflichtet. Erste Anregungen sich mit Sigillographie und Numismatik zu beschäftigenerhielt Stickel durch eine gelegentliche Anfrage des Weimarer Staatsministers von Goethe. Unter dessen Einfluß war am Weimarer Hofeine Aufgeschlossenheit gegenüber allem orientalischen entstanden, zunennen sind vor allen die Großherzogin und Zarentochter Maria Pawlowna (1786-1859), ihr Mann Carl Friedrich (1783-1853) sowie der Prinzenerzieher und der Freund Goethes Frédéric Soret (1795-1865).

Als sich im Jahr 1839/40 die Möglichkeit bot, eine bedeutende Sammlung zuerwerben, trug der Jenaer Professor Johann Gustav Stickel am Weimarer Hof vor. Jene Sammlung von über 1.500 Exemplaren gehörte dem Herrnhuter Missionar Heinrich August Zwick (1796-1855). Sie war in Russland an der Wolga zusammengetragen worden. Die Sammlung entsprach sowohl dem Interesse des Hofes am Orient als auch an russischer Geschichte. Carl Friedrich kaufte sie und stellte sie Stickel für seine Forschungen zur Verfügung. Maria Pawlowna wurde zur weiteren persönlich engagierten Mäzenatin. Frédéric Soret schrieb das entscheidende Gutachten und erwarb sich ebenfalls große Verdienste um die Mehrung der Sammlung.

 

Der Gründer Johann Gustav Stickel (1805-1896)

69 Jahre lang war Stickel in Jena Dozent und Professor für orientalische Sprachen und Literatur an der Universität Jena, von 1827 bis zu seinem Tod 1896. Neben seinen theologischen und philologischen Studien entwickelte er ein Spezialinteresse, das ihn aus der Orientalistik seiner Zeit hervorhebt: die Islamische Numismatik. Stickels wichtigstes Werk ist das in zwei Teilen 1845 und 1870 erschienene "Handbuch zur Morgenländischen Münzkunde". In vielen Aspekten waren beide Teile wegweisend für die Katalogisierung orientalischer Münzen. Als Erster sprach er entschieden sich für eine regionale Darstellung der Münzprägung aus, als Quelle der Geschichtsforschung, statt einer Dynastischen Erfassung. Dieser Ansatz wurde fast 100 Jahre später in der Form des Sylloge umgesetzt.

Das Fach der Orientalistik emanzipierte sich in den dreißiger, vierziger Jahrendes 19. Jahrhunderts von der Theologie und entwickelte sich zu einer sprachwissenschaftlichen Philologie, die sich als eine ihrer ersten Aufgaben die Quellenerfassung setzte. Islamische Münzen tragem bis zu 150 Worte Text und informieren über Ort und Datum der Herstellung sowie darüber, wer zum Zeitpunkt ihrer Prägung herrschte. Als politische Urkunden und Beweis ausgeübter Herrschaft kam ihnen die gleiche staatsrechtliche Qualität wie der Nennung der Herrscher in den Freitagspredigten zu. Die von Stickel aufgebaute Sammlung stellt auch heute noch eine nicht ausgeschöpfte Quellensammlung zur Geschichte des Vorderen Orients dar.

 

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Der Dinar aus Damaskus mit dem Bildnis des Kalifen Abd al-Malik aus dem Jahr 77/696 n. Chr.

 

Die Sammlung von Frédéric Soret, 1866

Die bedeutendste einzelne Akzession stellte der Ankauf der Soretschen Sammlung im Jahr 1866 dar. Frédéric Soret war sein Leben langfreundschaftlich mit dem Haus Sachsen-Weimar und Eisenach sowie mit Stickel verbunden. Er hinterließ mit über 5.500 Münzen die größte Privatsammlung islamischer Münzen seiner Zeit. Das kunsthistorisch wohlbedeutendste und bis heute am meisten zitierte Exemplar der ganzen Sammlung ist der Gold-Dinar des Jahres 77 der Hidschra/696 n.Chr. Er steht an der Schnittstelle zur Arabisierung von Münzwesen und Verwaltung, die aus dem ehemals byzantinischen Gebiet unter der Herrschaft von Beduinen erst einen arabisch-islamischen Staat formte. Die Münzgestaltung ist noch dem byzantinischen Konzept verhaftet, obwohl die Legenden arabisch sind und statt eines byzantinischen Kaisers der Kalif selbst abgebildet ist. Der zahlenmäßig größte Teil der Soretschen Sammlung wurde im Jahr 1939 an das großherzogliche Hauszurückgegeben, da sie zum Privatvermögen der Familie gehörte.


Die Ära bis zum Ersten Weltkrieg, 1896-1919

Von 1896 bis 1909 wurde die Sammlung von Karl Vollers betreut, der die Sammlung erweiterte, und ein summarisches Inventar publizierte. Sein Nachfolger wurde der Semitist und Altorientalist Athur Ungnad, der andere Schwerpunkte setzte. Nach seinem Weggang im Jahr 1919 blieb das Orientalischen Seminars und das Großherzoglich Orientalische Münzkabinett für über sieben Jahrzehnte wissenschaftlich verwaist.

 

Ein neuer Anfang auf alten Fundamenten, seit 1994

Seit 1994 hat die Wiederherstellung der Sammlung als wissenschaftliches Arbeitsinstrument begonnen. In diesem Jahr wurde die Semitische Philologie und Islamwissenschaft in Jena mit Prof. Dr. Norbert Nebes besetzt. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Sammlung nach der Abgabe der Soretschen Münzen (1939) und anderen Verlusten des 20. Jahrhunderts nur noch aus 8.950 numismatischen Objekten ohne Bestimmungen und ohne Dokumentation. Das 1942 fortgegebene Archiv konnte 1997 wieder an die Universität zurückgeholt werden. Inzwischen ist ein Teil der Sammlung inventarisiert und neu bestimmt. Im Jahr 1998 wurde die Sammlung des Münchner Numismatikers Peter Jaeckel (1914-1996) erworben. Danach kamen in rascher Folge zahlreiche weitere großzügige Schenkungen ausschließlich von privater Seite hinzu. Die Forschungssammlung umfaßt heute wieder einen Bestand von 21.000 Exemplaren.

Von 1998 bis 2001 förderte die Deutschen Forschungsgemeinschaft das Projekt "Die Münzen des Kaukasus und Osteuropa im Orientalischen Münzkabinett". Den Kern dieses Projektes bildeten die Münzen von Heinrich August Zwick. Im Syllogeformat wurden die Münzen als historische Quellenerfaßt. Die Münzen wurden von Tobias Mayer und Gert Rispling bearbeitet. Im Jahr 2005 wurde die Sylloge vorgelegt.

 

Forschungsprojekte

Es wurden bis heute drei Forschungsprojekte am Orientalischen Münzkabinett von externen Wissenschaftlern unter der Betreuung von Stefan Heidemann durchgeführt:

Mohammad Younis - Die Münzumlauf in der Stadt Shiraz im Iran vom Anfang der Dynastie der Salghuriden bis zum Ende der Dynastie der Muzaffariden (543-795 h./ 1147-1393 n.Chr.)
Gefördert durch das ägyptische Wissenschaftsministerium forschte Mohammad Younis, Universität Fayoum, von 2007 bis 2009 am Orientalischen Münzkabinett an seinem Promotionsprojekt. Betreut wird die Arbeit von Raf'at el-Nabarawy, Cairo Universität, und Stefan Heidemann.
Innerhalb des Irans bildet die Provinz Fars im Südwesten des Landes, begünstigt durch ihre geographische Lage, eine historisch häufig autonome Region. Für eine Neubewertung der Geschichte dieser Region wurden die Münzreihen der Stadt Shiraz von der selschukischen Gouvenrneursdynastie der Salghuriden bis zu den mongolischen Muzaffariden rekonstruiert. Die Textsequenz auf den Münzreihen erlaubte eine neue Sichtweise auf wechselnde Grade der Abhängigkeit und Integration einer Provinz unter den Seldschuken und den mongolischen Ilkhanen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Salghuriden, die als Gouverneure der Seldschuken in die Region kamen und ihre regionale Herrschaft noch lange Zeit unter der Oberhoheit der Ilkhane behautpten konnten. 

Susan Tyler-Smith - Der sasanidische Schatzfund von Shiraz
Gefördert durch die Royal Numismatic Society in London, arbeitet Susan Tyler-Smith arbeitet an einer Revision des in den sechziger oder siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gemachten Schatzfundes sasanidischer Münzen, dem sogenannten 'Shiraz' Schatzfund. Das Schußdatum ist das 12. Regierungsjahr des sasanidisch-iranischen Herrschers Husru II. (r. 590/1 - 628) endet. Dieser Schatzfund umfasste etwa 37.000 sasanidische Dirhams und ist damit der bedeutendste Schatzfund aus der Sasanidenzeit. Abgesehen von einigen Aufzeichnungen in den siebziger Jahren ist der Schatzfund heute verloren. Von 2000 bis 2009 wurde ein vergleichweise großer Teil des Schatzfundes von etwa 600 Münzen als Leihgabe der Universität Jena überlassen. Der Schatzfund wirft Forschungsfragen zur Datierung der Rebellion des Vistahm auf, sowie zur Münzreform Husrus II, die in enger Verbindung mit dem Angriffsplanung der Sasaniden auf Byzanz steht. 

Dirk de Boer - Die Heinrich von Siebold-Sammlung ostasiatischer und japanischer Münzen und Amulette
Gefördert durch die Universität Jena, arbeitet Dirk de Boer seit 2008 an einem Katalog der ostasiatischen Münzen des orientalischen Münzkabinetts Jena. Zusammen mit Stefan Heidemann wird auch die Geschichte dieser bedeutenden Sammlung erforscht.
Nachdem schon 1851 die Großherzogin Maria Pawlowna eine Sammlung von etwa 100 ostasiatischen Münzen dem Großherzoglichen Orientalischen Münzkabinett übergeben hatte, erweiterte sich der Horizont der Sammlung beträchtlich durch ein glückliches Zusammentreffen des Großherzogs Carl Alexander und des Dragomans in österreichischen diplomatischen Diensten in Japan, Heinrich von Siebold, (1852-1908), auf der Wiener Weltausstellung 1873. Siebold schenkte dem Groherzog eine ausgesuchte Sammlung von 242 japanischen und chinesischen Münzen. Erst 1868 hatte sich Japan mit dem Beginn der kaiserlichen Meiji-Ära der Außenwelt geöffnet. Auf der Weltaustellung war das Inselreich das erste mal auf der Weltbühne präsent. 1885 sandte Heinrich von Siebold eine zweite ostasiatisch-japanische Sammlung von etwa 820 Objekten an den Großherzog in Weimar, der sie seinem Münzkabinett übergab.
Die Besonderheit der Sammlung liegt darin, dass Heinrich von Siebold als einer der ersten nach dem Beginn der Öffnung Japans Münzen sammeln konnte. Bisherige Recherchen zeigen, dass vermutlich die Jenaer Sammlung durch Heinrich von Siebold auf mehrere japanische Gelehrtensammlungen des achtzehnten Jahrhunderts zurückgeht. 

Tagungen der Oriental Numismatic Society in Jena

Von 1999 bis 2009 fanden in Jena jährlich abwechselnd mit der Forschungsstelle für Islamische Numismatik in Tübingen mitteleuropäische Regionaltreffen der Oriental Numismatic Society statt, an denen Vortragende und Teilnehmer aus den Ländern der EU aber auch aus Usbekistan, Ägypten, der Türkei und den USA usammenkamen.

ONS-Tagung April 1999
PressemitteilungProgrammabstracts.
1999. Meeting of the Oriental Numismatic Society in Jena 17/18 April 1999 [abstracts]. In: Oriental Numismatic Society Newsletter 160, S. 1-4. Sowie in Deutsch: ONS-Tagung in Jena am 17./18. April 1998 [sic!]. In: Geldgeschichtliche Nachrichten Jg. 34 (Sept. 1999), S. 324-328.

ONS-Tagung Mai 2001
PressemitteilungProgramm
Zusammenfassungen: Jena - ONS Regional Meeting 5-6th May 2001. In: Oriental Numismatic Society Newsletter 169, S. 2-6 [abstracts]. Sowie in Deutsch: Oriental Numismatic Society (ONS) in Jena 5. und 6. Mai 2001. In: Geldgeschichtliche Nachrichten Jg. 36 (November 2001), S. 259-262.

ONS-Tagung Mai 2003
Pressemitteilung.
Zusammenfassungen: Meeting of the Oriental Numismatic Society Society held in Jena - 3/4 May 2003. In: Oriental Numis­matic Society News­letter 176, S. 2-4 [abstracts]. Sowie in Deutsch: Oriental Numis­maticSociety. In: Numismatisches Nachrichtenblatt Jg. 52 (Sep­tember 2003), S. 372-374.

ONS-Tagung April 2005
Pressemitteilung.
Zusammenfassungen: Oriental Numismatic Society in Jena 22-24 April 2005- 200th Anniversary of Johann Gustav Stickel. In: Oriental Numismatic Society Newsletter 185, S. 1-5 [abstracts]. Sowie in Deutsch: Islamische Numismatik. In: Numismatisches Nachrichtenblatt Jg. 54 (November 2005), S. 475-479.

ONS-Tagung Mai 2007
Pressemitteilung.

Beiligung des OMJ an Ausstellungen islamischer Kunst

Das Orientalische Münzkabinett Jena ist heute wieder Leihgeber herausragender internationaler Ausstellungen, so unter anderem für:

  • "Dschingis Khan und seine Erben" (2005-2007 in Bonn, München, Istanbul, Schallaburg/Wien, Budapest),
  • "Saladin und die Kreuzfahrer" (2006-2007; Halle, Oldenburg, Mannheim, Schallaburg/Wien)
  • "Die Aura des Alif" im Völkerkunde Museum in München (2010).

Kataloge des Orientalischen Münzkabinetts

  1. Johann Gustav Stickel, Handbuch zur Orientalischen Münzkunde. DasGrossherzogliche orientalische Münzcabinet zu Jena, erstes Heft, (F.A.Brockhaus) 1845, Zweites Heft, Leipzig (F.A. Brockhaus) 1870. Nachdruck Leipzig 1975.
  2. Stefan Heidemann und Claudia Sode: Christlich-orientalische Bleisiegel im Orien­talischen Münz­kabinett Jena. In: Aram 11-12 (1999-2000), S. 533-593.
  3. Sylloge der Münzen des Kaukasus und Osteuropas im Orientalischen Münzkabinett Jena bearbeitet von Tobias Mayer mit Beiträgen von Stefan Heidemann und Gert Rispling (Orientalisches Münzkabinett Jena 1, hrsg. von Norbert Nebes und Stefan Heidemann), Wiesbaden (Harrassowitz) 2005.

Literatur zum Orientalischen Münzkabinett

  1. Karl Vollers, Das orientalische Münzkabinett der Universität Jena im Jahre 1906. In: Blätter für Münzfreunde 41, Heft 6, (1906) Spalte 3515-3524, Heft 7/8, Spalte 3529-3537.
  2. Stefan Heidemann, Bibliothek des Großherzoglichen Orientalischen Münzkabinetts. In: Friedhilde Krause (Hrsg.) - Felicitas Marwinski (Bearbeitung): Handbuch der Historischen Buchbestände in Deutschland 20, Thüringen H-R, Hildesheim, Zürich, New York(Olms-Weidmann) 1999, S. 162-163.
  3. Ders., Orientalistik und orientalische Numismatik in Jena. In: Stefan Heidemann (Hrsg.): Islamische Numismatik in Deutschland - eine Bestandsaufnahme (Jenaer Beiträge zum Vorderen Orient 2), Wiesbaden 2000, S. 87-106.
  4. Ders., Jemenitische Münzen in Jena. Zur Erforschung der jemeni­tischen Münzprägung. In: Jemen-Report. Mitteilungen der Deutsch-Jemenitische Gesellschaft e.V. 35, Heft 2 (2004), S. 4-6.
  5. Ders., Maria Pawlowna und der Umbruch in der Orientalistik - Die Gründung des Großherzoglichen Orientalischen Münzkabinetts. In: Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen (Hrsg.): »Ihre Kaiserliche Hoheit« Maria Pawlowna. Zarentochter am Weimarer Hof, Weimar 2004, S. 313-328.
  6. Ders., Maria Pawlowna und der Umbruch in der Orientalistik - Die Gründung des Großherzoglichen Orientalischen Münzkabinetts. In: Joachim Berger - Joachim von Puttkamer (Hrsg.): Von Petersburg nach Weimar. Kulturelle Transfers von 1800 bis 1860 (Jenaer Beiträge zur Geschichte 9), Frankfurt a/M 2006, S. 221-259.
  7. Ders., Das Orientalische Münzkabinett Jena - Die Islamische Münzkunde von der Theologie der Aufklärung zu den Regionalstudien. In: Gesellschaft der Freunde Islamischer Kunst und Kultur (Hrsg.): Eothen IV (2007), S. 95-120.
  8. Ders., Der Paradigmenwechsel in der Jenaer Orientalistik in der Zeit der literarischen Klassik. In: Michael Hofmann - Charis Goers (Hrsg.): Der Deutschen Morgenland. Bilder des Orients in der deutschen Literatur und Kultur von 1770 bis 1850, München 2008, S. 243-257.

Leitung

Homepage der UFA

Prof. Dr. Peter Ettel
E-Mail: 

Institut für Orientalistik, Indogermanistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie
Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie
Löbdergraben 24a,
07743 Jena

Tel.: +49  (3641) 944890
Fax: +49  (3641) 944892

 

Die Bestände der Sammlung umfassen heute ca. 45.000 Inventareinheiten aus etwa 1.500 Fundorten Europas und einigen außereuropäischen Fundorten. Der Schwerpunkt liegt mit Objekten aus ca. 1.000 Fundorten in Mitteldeutschland.

Objekte aus der Sammlung waren in vielen Fällen die Grundlage für die erstmalige Beschreibung archäologischer Kulturen oder Zeitstufen (z.B. für die Bandkeramik, die Schnurkeramik, die Dreitzscher Gruppe oder den Großromstedter Horizont). Daneben beherbert die Sammlung eine reiche Auswahl von Fundkomplexen mit überregionaler Bedeutung für die Forschung (z.B. Ölknitz, Borsch, Ostheim, Dienstedt u.a.). Nicht zuletzt bietet die Sammlung durch ihre beispielhaften Funde aus weiten Teilen Europas (z.B. aus dem Vézèretal in Frankreich, aus Jordansmühl in Schlesien, La Tène in der Schweiz, Hallstatt in Österreich, Montegiorgio in Italien usw.) eine hervorragende Grundlage für die akademische Lehre.

Sammlungsobjekte sind Träger von Informationen und können gelesen werden. Damit sind diese Gegenstände wertvolle Quellen für Forschungsfragen. Ebenso besitzen Objekte eine materielle Anschaulichkeit, die einen eigenen ästhetischen Reiz entfalten können und der in der Wissensvermittlung eine entscheidende Rolle zukommt.

Fünf Jenaer Sammlungen mit Orientbezug umfassen diverse Objektgruppen. Die hier vorgestellten Exponate belegen die inhaltliche, materielle und mediale Vielfalt: historische Fotografien mit Notizbuchcharakter, Textsequenzen islamischer Münzen, kaum entzifferbare Minikorane, rekonstruierte Keilschrifttafeln und Papyri. Gemeinsam ist ihnen, dass erst in der Zusammenschau von Material und Gestalt, Bild und Text eine weitere Lektüre möglich wird.
Die Kabinettausstellung AusLese will an ausgewählten Beispielen Einblicke in diese Erschließungspraktiken geben.

Viele der Sammlungsobjekte sind nicht öffentlich zugänglich. Die Sichtbarmachung der Dinge und die an ihnen vollzogene Forschungsarbeit stellen daher wichtige Vermittlungsprozesse dar. Dabei werden Forschungsergebnisse längst nicht mehr nur in Ausstellungsräumen präsentiert. Durch moderne bildgebende Verfahren werden die Dinge nun auch in neuen Wissensräumen lesbar gemacht.

Ort:
Universitätshauptgebäude
Fürstengraben 1
07743 Jena
Ausstellungskabinett (Raum 025)

Öffnungszeiten:

18.-22.09.2017 Mo-Fr 10-18 Uhr
16.-26.10.2017 Mo-Fr 15-19 Uhr

Eine Aufgabe der Hilprecht-Sammlung ist es, 4000 Jahre alte Keilschrifttafeln und -fragmente mittels unterschiedlicher Methoden wieder lesbar zu machen, so dass sie in einen größeren Zusammenhang gestellt werden können. Zentral dabei ist die Vernetzung von Sammlungen sowie die freie Verfügbarkeit guter Fotografien oder Scans von Tontafeln in online-Datenbanken.

Dank online zugänglicher Scans der Fragmente N 1338 und N 4026 aus Philadelphia erkannte Elyze Zomer (Leipzig), dass diese zur Jenaer Tafel HS 1885 [1] gehören. Die Fragmente der in der Antike zerbrochenen Tafel aus Nippur waren bei der Fundteilung auf die Hilprecht Sammlung und das University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology aufgeteilt worden. Die virtuelle Zusammenfügung aller Bruchstücke ermöglichte die Rekonstruktion eines bisher unbekannten Königepos aus der Zeit von ca. 1500 v. Chr. In ihm erzählt Gulkischar, König der ersten Meerland-Dynastie, von seiner Schlacht gegen Samsuditana, dem letzten König der ersten Dynastie von Babylon, deren bekanntester Regent Hammurapi war.

Im Fall von HS 2536 + HS 2714 [2] konnte Jana Matuszak (Jena) nach der Durchsicht von nie veröffentlichten Bleistiftkopien von Johannes J. A. van Dijk (1915-1996) die unter verschiedenen Inventarnummern verbuchten Bruchstücke wieder zu einer Tafel zusammensetzen. Carmen Gütschow (Berlin) hat die Tafel so restauriert, dass die ursprüngliche Form nun erstmalig wieder erkennbar ist. Es handelt sich um ein wichtiges Manuskript eines sumerischen literarischen Streitgesprächs zwischen zwei Frauen, das einzigartige Einblicke in das Frauenbild um 1800 v. Chr. bietet.

Um künftig solche Entdeckungen zu erleichtern, werden aktuell in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin 3D-Scans aller Objekte der Hilprecht-Sammlung erstellt.

Die Papyrussammlung des Instituts für Altertumswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena gehört mit ihren mehr als 2000 Papyri und Ostraka zu den größeren deutschen Sammlungen. Begründet wurde sie vor dem ersten Weltkrieg: Die meisten Stücke kamen zwischen 1904 und 1913 aus Ankäufen des Deutschen Papyruskartells nach Jena. Später kamen kleinere Schenkungen hinzu, darunter besonders die Privatsammlung des Jenaer Gräzisten, Papyrologen und mehrfachen Rektors Friedrich Zucker.

Die Sammlung enthält Texte in zahlreichen Sprachen. Dabei überwiegt das Griechische bei weitem, doch auch demotische, koptische, arabische und sehr wenige lateinische Texte sind vertreten. Die weitaus meisten Texte sind dokumentarisch (Edikte, Verträge, Rechnungen, Privatbriefe u. a.). Literarische Texte kommen, wie in fast allen anderen Papyrussammlungen auch, vergleichsweise sehr selten vor.

Hier ausgestellt sind ein literarischer und ein dokumentarischer Papyrus. Der literarische ist in einer gut lesbaren, geradezu luxuriösen Buchschrift geschrieben. Er enthält die Verse 64–69 aus den Bakchen, der letzten Tragödie des 406 v. Chr. verstorbenen Euripides. Eine möglicherweise alte Variante (67 εὐκαμέτη statt εὐκάματον) und ein klarer banalisierender Fehler (64 γᾶς statt γαίας) gegenüber den über 1000 Jahre jüngeren Handschriften geben dem Papyrusfragment textkritischen Wert.

Der dokumentarische Papyrus zeigt, dass bei der Verteilung der Stücke durch das deutsche Papyruskartell Zusammengehöriges gelegentlich auseinandergerissen wurde (s. Abbildung). Der Absendername (ΖΗΝΟΒΙΟϹ = Zênobios) des auf den 14. Januar 231 v. Chr. datierten Verwaltungsbriefs kam nach Jena, der Rest nach Halle. Im Brief ordnet Zenobios an, dass ein Mann aus Syene (Assuan), der vorgibt, nachtblind zu sein, und deswegen seinen Dienst nicht ausüben kann, vorgeführt werden soll.

 

Die Jenaer Arabistik hat sich seit der Mitte der 1990er Jahre intensiv mit den arabischen Handschriften in den Bibliotheken des Freistaats Thüringen beschäftigt. Unter den Arabica der Forschungsbibliothek Gotha und der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena sprang die vergleichsweise große Zahl an kleinformatigen Abschriften religiöser Texte ins Auge.

Viele dieser Stücke kamen als Teil der sogenannten „Türkenbeute“ direkt oder auf Umwegen in den Besitz der Sammlungen in Gotha und Jena. Damit war ein erster Hinweis auf ihren ursprünglichen Gebrauchszusammenhang gegeben: Sie wurden von Feldgeistlichen und anderen lesekundigen Personen in den osmanischen Heeren mitgeführt, wofür sie sich aufgrund ihrer geringen Größe besonders gut eigneten. Daneben haben sicherlich auch andere Gruppen solche Taschenbücher zu schätzen gewusst; Exponat 1 (Ms. Prov. o. 225) und 2 (Ms. Bos. o. 18) mögen ebensogut Zivilisten gehört haben.

Angesichts von Stücken wie Exponat 3 (Ms. G. B. o. 26) mit seiner stark miniaturisierten Schrift drängte sich dann auch der Gedanke auf, dass die Handschriften nicht nur zum Lesen oder Rezitieren, sondern auch als Talismane benutzt wurden. Eine fast zweieinhalb Meter lange Rolle mit arabischen und persischen Gebeten (Exponat 4, Ms. Prov. o. 225a), die zusammengerollt in eine Hand passt, weist in eine ähnliche Richtung.

Diese nicht zuletzt von den Jenaer Beständen aufgeworfene Frage nach dem Zusammenhang von Miniaturisierung und Talismanfunktion wird gegenwärtig in einem Jenaer Teilprojekt des Hamburger SFB 950 „Manuskriptkulturen“ bearbeitet. Erste Ergebnisse zeigen eine starke formale Ausdifferenzierung der Kleinformate und eine unerwartete Verbreitung einer achteckigen Sonderform von Koranen auch im iranischen Raum.

Islamische Münzen sind sowohl Textquelle zur politischen Herrschaftsgeschichte, als auch dreidimensionale Objekte mit praktischem Zweck. Aufgabe der Numismatik ist es, anhand von Sequenzen an Münzen, z. B. einer Münzstätte oder einer archäologischen Fundstelle, die politische und wirtschaftliche Entwicklungen, Technologien oder Siedlungsstrukturen zu rekonstruieren.

Anlässlich der 1. Jahresversammlung der DMG in Jena 1846 wurden zum ersten Mal Münzen des 1840 gegründeten Grossherzoglichen Orientalischen Münzkabinetts ausgestellt. Johann Gustav Stickel, der Kabinetts, legte zu diesem Anlass einen Überblick über die damalige Sammlung vor. Im Vorwort erwähnte er die frische Neuerwerbung einer arabo-sasanidischen Münze.

Um Münzen im wissenschaftlichen Diskurs unabhängig vom Original lesen zu können, mussten die Objekte ediert werden. Stickel war von Anfang an Technik zur Verbesserung der Abbildung interessiert und versuchte die anspruchsvollste Form der Wiedergabe, den Kupfer- oder Stahlstich. Um die farbige Wirkung des Orginals zu verstärken, wurden die Münzen aufwendig mit Silber- bzw. Kupferdruck unterlegt. Man beachtete jedoch nicht, dass die Drucke im Laufe der Zeit stark nachdunkeln.

In der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft experimentierte Stickel 1853 mit einer weiteren technischen Form. Die Münze wurde in Karton geprägt, um eine dreidimensionale Wirkung zu erreichen.

Der wissenschaftliche Austausch unter Kollegen oder das Ergänzen von Sammlungen verlangte auch die Reproduzierbarkeit des dreidimensionalen Objektes. Verschiedene Formen wurden im 18. Bis 20. Jahrhundert angewendet: der Folienabdruck, der Galvano und der Gipsabdruck. Der Gipsabdruck blieb bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die häufigste Form der physischen Reproduktion und wurde neben dem Foto angefertigt.

Das Internet erlaubt einem großen Sprung für die historische Arbeit mit Münzen aus mehreren Museen und Sammlungen an einem Arbeitsort. Seit 2012 beteiligt sich das Orientalische Münzkabinett Jena an dem Portal Kooperative Erschließung und Nutzung der Objektdaten von Münzsammlungen (KENOM) des Gemeinschaftlichen Bibliotheksverbandes (GBV), das seit Mai 2015 freigeschaltet ist. Bisher speisen zehn Sammlungen unterschiedliche Arten numismatischer Objekte ein. Wir laden Sie dazu ein und haben jeder Münze eine QR code beigegeben. Schauen Sie nach, um was für eine Münze es sich handelt.