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Zur Geschichte des Instituts und seiner Fächer

Das Institut für Orientalistik, Indogermanistik, Ur-. und Frühgeschichtliche Archäologie wurde 2015 aus mehrerer vorher selbständigen Einheiten gebildet, die sich mit alten und/oder fernen Sprachen und Kulturen beschäftigen: aus dem Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients (Orientalistik), dem Lehrstuhl für Indogermanistik und dem Bereich für Ur- und Frühgeschichte. Die ältere Fachgeschichte wird daher nach diesen Bereichen getrennt dargestellt, bitte wählen Sie links in der Auswahl.

 

Die Altorientalistik – traditionell "Assyriologie" genannt – kann in Jena auf eine alte Tradition zurückblicken. Eberhard Schrader (1836-1908), der die Disziplin in Deutschland einführte, war hier von 1873 bis 1875 Professor für Altes Testament. Im Gasthof „Zur Sonne“ überzeugte er 1873 den gerade aus Leipzig eingetroffenen Friedrich Delitzsch (1850-1922), der hier seine indologischen Studien weiterverfolgen wollte, sich von ihm in die Assyriologie einführen zu lassen. Delitzsch bekleidete in der Folge die erste Professur für Assyriologie in Deutschland (1877 außerordentlicher, 1885 ordentlicher Professor in Leipzig, 1893 Breslau, 1899 Nachfolger Schraders in Berlin). 1909 bis 1909 hatte Delitzschs Schüler Arthur Ungnad (1879-1947) in Jena eine außerordentliche Professur für orientalische Sprachen inne.

1925 hinterließ der aus Sachsen-Anhalt stammende Gelehrte Hermann Vollrat(h) Hilprecht seine orientalische Sammlung, die hauptsächlich Keilschifttexte umfasste, der Universität Jena. Sie sollte seinem letzten Willen gemäß "Frau Professor Hilprecht Collection of Babylonian Antiquities" heißen, wird aber meist abgekürzt "Hilprecht-Sammlung" genannt.

1993 wurde der letzte Kustos der Sammlung, J. Oelsner, auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Altorientalistik berufen. 1996 wurde dieser Bestandteil des neu gegründeten "Instituts für Sprachen und Kulturen des Alten Orients" (ISKVO), das die Fächer Altorientalistik, Semitistik und Islamwissenschaft umfasste.

Ende 2015 ging das ISKVO im "Institut für Indogermanistik, Orientalistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie" auf. Die Altorientalistik hat seither innerhalb des Instituts den Status eines "Seminars".

Literatur:

J. Oelsner, Zur Geschichte der "Frau Professor Hilprecht-Sammlung Vorderasiatischer Altertümer im Eigentum der Friedrich-Schiller-Universität Jena", in: E. Kluwe; J. Sliwa (Hgg.), Zur Geschichte der Klassischen Archäologie Jena - Kraków (Wiss. Beiträge der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1985) 46-53.

Ders., Altorientalistik in Jena. Teil 1: MDOG 139 (2007) 71-81; Teil 2: MDOG 140 (2008) 75-88; Teil 3(Schluss): MDOG 141 (2010) 11-20.

Jena spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Anfang des 19. Jahrhunderts enstandenen und zunächst noch vereinten Disziplinen Indologie und Vergleichende Sprachwissenschaft (Indogermanistik); beiden wurden meist auch gemeinsam vertreten.

Schon seit 1821 hatte der Orientalist Kosegarten in Jena auch Sanskrit-Kurse angeboten und sich mit altindischer Literatur beschäftigt. Nach ihm unterrichtete bis 1864 der Theologe Andreas Gottlieb Hoffmann Sanskrit, von 1839 bis 1841 außerdem auch der Orientalist Hermann Brockhaus.

August_Schleicher

Im Jahre 1857 wurde der Thüringer August Schleicher (Bild links) aus Prag an die Philosophische Fakultät der Universität Jena berufen, wo er als ordentlicher Honorarprofessor „für deutsche Philologie und vergleichende Sprachkunde“ bis zu seinem frühen Tod 1868 lehrte. Er hatte schon in Prag das Konzept von Sprachen als Organismen sowie das Modell der Sprachverwandtschaft als Stammbaum entwickelt. In seinem Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen von 1862 bot er erstmals einen ernsthaften Versuch der Rekonstruktion der urindogermanischen Grundsprache. In Jena freundete er sich mit dem Zoologen Ernst Haeckel an (beide waren auch begeisterte Turner) und rezipierte Darwins Evolutionstheorie, die er in einem veröffentlichten „Sendschreiben“ an Haeckel mit seinem Modell der Sprachverwandtschaft verknüpfte. Schleichers Schüler August Leskien (habilitiert in Jena 1867) folgte ihm für zwei Jahre als außerordentlicher Professor für vergleichende Sprachkunde und Sanskrit, bevor er nach Leipzig ging, wo er einer der Begründer der „junggrammatischen“ Schule wurde.

WP_Berthold_Delbrück

Von 1870 bis 1913 lehrte in Jena der bedeutende Syntaktiker Berthold Delbrück (Bild rechts) als Professor für Sanskrit und vergleichende Sprachkunde. Er war mehrfach Prorektor der Universität (Rektor war nominell der Großherzog) und wurde 1908 Ehrenbürger der Stadt Jena. Neben dem Indogermanisten Delbrück, zu dessen Forschungsschwerpunkten das vedische Altindische gehörte, lehrte hier von 1872 bis 1925 als außerordentlicher Professor der Indologe Carl Cappeller, und in Jena lebte von 1868 bis 1885 auch der berühmte Otto von Böhtlingk, der eigentlich an der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Peterburg tätig war, sich aber Jena als Wohn- und Arbeitsort ausgesucht hatte. Der letzte Band des bis heute unersetzten „großen St. Petersburger“ Wörterbuchs des Sanskrit entstand also auch in Jena, ebenso die meisten Bände das „Sanskrit-Wörterbuch in kürzerer Fassung“, das Böhtlingk hier 1877 begann.

Im Jahre 1905 hatte Friedrich Slotty in Jena promoviert, und 1914 wurde er Privatdozent für Philologie und vergleichende Sprachwissenschaft, 1919 erhielt er ein Extraordinariat. 1926 ging er nach Prag und wurde dort ein aktives Mitglied des berühmten Cercle Linguistique.

Delbrücks Nachfolger war von 1913-1924 Ferdinand Sommer als Ordinarius für Vergleichende Sprachwissenschaft. Sommer erlebte in Jena die Neuentdeckung des Hethitischen als indogermanische Sprache und beteiligte sich maßgeblich an diesem neuen Forschungsgebiet, wobei er davon profitierte, dass mit Arthur Ungnad in Jena zunächst noch ein kompetenter Altorientalist vor Ort war, bis dieser 1919 nach Greifswald ging und das orientalische Seminar aufgelöst wurde. Sommer wechselte dann 1924 nach Bonn und 1926 nach München. Ihm folgte 1925 Albert Debrunner, besonders bekannt durch seine Mitarbeit an Jacob Wackernagels „Altindischer Grammatik“, aber auch für seine Arbeiten zum hellenistischen Griechisch. Während seiner Jenaer Zeit habilitierte sich Hans Krahe, der noch bei Sommer promoviert hatte, und wurde 1928 Privatdozent für Indogermansiche Sprachwissenschaft und Sanskrit; 1936 ging er nach Würzburg. Im Jahre 1935 tauschten Debrunner und sein ihm in Bern nachgefolgter Schüler Walter Porzig aus politischen Gründen die Lehrstühle. Porzig wurde 1940 von Richard von Kienle vertreten und wechselte dann 1941 nach Straßburg, wonach die Jenaer Professur zunächst unbesetzt blieb. Erst 1947 wurde Friedrich Slotty, der 1939 in Prag ein Lehrverbot erhalten hatte, (wieder) nach Jena berufen, wo er 1954 emeritiert wurde. Ihm folgte (bis 1967) Richard Hauschild, der schon in Jena bei Debrunner studiert hatte, als Ordinarius für vergleichende Sprachwissenschaft und Indologie.

Danach wurde im Zuge der „dritten Hochschulreform“ der Lehrstuhl eingezogen, doch wurde die Tradition der Indogermanistik und Indologie faktisch weitergeführt von Bernd Barschel, der seit 1970 in Jena wirkte, 1976 mit einer Arbeit zu den indoeuropäischen i-Stämmen promoviert worden war und ab 1977 eine Lektorenstelle hatte. Bis zu seinem frühen Tod 1990 sorgte er dafür, dass die Jenaer Tradition nicht in Vergessenheit geriet. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Lehrstuhl wieder eingerichtet, und von 1994 bis 2012 war Rosemarie Lühr seine Inhaberin, mit einem Schwerpunkt besonders auf den germanischen Sprachen. Der Standort Jena entwickelte sich – besonders durch die erfolgreiche Einwerbung zahlreicher Drittmittelprojekte – wieder zu einem bedeutenden Zentrum des Faches.

 

Die Emanzipation der Orientalistik von einer theologischen Hilfswissenschaft zu einer eigenständigen Wissenschaftsdisziplin ist zu Anfang des 19. Jh. allenthalben an den europäischen Universitäten zu beobachten. Nachhaltigen Einfluß auf diese Entwicklung hatte der französische Arabist Silvestre de Sacy, der auch eine ganze Generation deutscher Orientalisten prägte (Kosegarten, Freytag, Flügel, Fleischer). In Jena kommt die de Sacysche Richtung der Orientalistik, wenn auch nur kurz, so doch verhältnismäßig früh zum Zuge, woran vor allem J.W. von Goethe maßgeblichen Anteil hatte, der aufgrund eigener Werkinteressen jene besonders fördert. In Goethes Weimarer Zeit von 1775 bis 1832 haben die an der Philosophischen Fakultät angesiedelte ordentliche Professur für orientalische Sprachen folgende Fachvertreter inne: Johann Gottfried Eichhorn (1775-1788), Heinrich Eberhard Gottlob Paulus (1789-1792), Karl David Ilgen (1794-1802), Christian Wilhelm Augusti (1803-1811), Georg Wilhelm Lorsbach (1812-1816) und Johann Gottfried Ludwig Kosegarten (1817-1824).

 geschichte_eichhorn

Anton Graff: Porträt Johann Gottfried Eichhorn, 1779,
Öl/Leinwand 74 x 64,5 cm, Kustodie der FSU Jena


Auch wenn in dem wissenschaftlichen Oeuvre von Paulus und in besonderem Maße in jenem von Eichhorn das Arabische einen nicht unbedeutenden Platz einnimmt, so liegen ihre eigentlichen Arbeitsgebiete nach wie vor in der Theologie. Die Ablösung von dieser kündigt sich in den Schriften von Georg Wilhelm Lorsbach, der sich vor allem als Syrologe einen Namen gemacht hat, nachhaltig an, und erfolgt vollends mit der Person Johann Gottfried Ludwig Kosegartens, mit dem die de Sacysche Richtung in Deutschland zum Durchbruch gelangt. Entscheidenden Anteil an Kosegartens Berufung nach Jena hat Goethe, der sich in der Endphase an der Arbeit am West-östlichen Divan Kosegartens Mitarbeit erfreut.

Im Zentrum von Kosegartens Oeuvre in seinen Jenaer Jahren und vor allem in seiner daran anschließenden Greifswalder Zeit stehen Texteditionen mit philologisch-kritischem Anspruch. Für seine nicht nur für die damalige Zeit umfangreiche Chrestomathia Arabica, die er in Jena beginnt, greift er u.a. auch auf die Gothaer Handschriftenbestände zurück, die Ulrich Jasper Seetzen auf seinen Reisen in Syrien, Palästina und Ägypten im Auftrag des Herzogs August von Sachsen-Gotha und Altenburg erworben hat. Er ediert Teile der Weltgeschichte des Tabari und beginnt ein auch für die heutige Zeit gewaltiges Unternehmen, die Herausgabe des Kitab al-Agani. Kosegartens Hudaylitendiwan wird bis auf den heutigen Tag als Quellenwerk zitiert. Darüber hinaus zeigt sich seine Vielseitigkeit auch auf anderen orientalistischen Gebieten. So übersetzt er aus dem Sanskrit einen Teil des Mahabharata, beteiligt sich an der deutschen Übersetzung des Papageienbuchs, und in der Ägyptologie ist sein Name mit der Entzifferungsgeschichte des Demotischen verbunden.

Nach dem Weggang Kosegartens nach Greifswald wird die de Sacysche Richtung in Jena nicht weitergeführt. Vielmehr geht mit Johann Gustav Stickel die Jenaer Orientalistik eigene Wege. Stickel, der 1839 von der Theologischen Fakultät auf die Professur für orientalische Sprachen an der Philosophischen Fakultät überwechselt, vertritt das Fach über ein halbes Jahrhundert. Er zählt zu den Wegbereitern der islamischen Numismatik in Deutschland, und auf seine Initiative wird das Großherzoglich orientalische Münzkabinett gegründet, das bis auf den heutigen Tag zu den bedeutendsten islamisch-numismatischen Sammlungen im deutschsprachigen Raum gehört.

1896 wird als Nachfolger von Stickel Karl Vollers berufen, mit dem Jena der Anschluß an die zeitgenössische Entwicklung in der Arabistik gelingt und der als Philologe und Dialektologe hervorgetreten ist.

Nach Vollers´ frühzeitigem Tod im Jahre 1909 wird die mittlerweile heruntergestufte Professur mit dem vielseitigen Altorientalisten und Semitisten Arthur Ungnad besetzt. Nach dem 1919 erfolgten Weggang Ungnads nach Greifswald wird die Stelle nicht wiederbesetzt und das alte orientalische Seminar aufgelöst.

Den Nukleus für die Wiedereinrichtung der Orientalistik nach der Wende bildet ohne Zweifel die Hilprecht-Sammlung Vorderasiatischer Altertümer, die 1925 durch Schenkung an die Friedrich-Schiller-Universität kam und vor der Wende kustodisch betreut wurde. 1993 wird ihr ehemaliger Kustos, Joachim Oelsner, auf den neu gegründeten Lehrstuhl für Altorientalistik berufen, 1993 und 1994 erfolgt die Einrichtung des Lehrstuhls für Semitische Philologie und Islamwissenschaft sowie der Professur für Islamwissenschaft, 1996 die Gründung des Instituts für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients, mit dem die genannten Fachgebiete zusammengeführt wurden, die derzeit von M. Krebernik, N. Nebes und T. Seidensticker vertreten werden.


Literatur:
N. Nebes, Orientalistik im Aufbruch. Die Wissenschaft vom Vorderen Orient in Jena zur Goethezeit, in: J. Golz (Hg.), Goethes Morgenlandfahrten. West-östliche Begegnungen. Frankfurt am Main 1999, S. 66-96; ders., Ulrich Jasper Seetzens Reisen im Orient, in: Orientalische Buchkunst in Gotha. Forschungs und Landesbibliothek Gotha 1997, S.41-46.

InstitutsgeschichteKurzfassung

Die „Archäologie der Ur- und Frühgeschichte“ blickt an der Uni Jena auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurück. Bereits vor über 150 Jahren bot die Universität Vorlesungen zur prähistorischen Archäologie an, und nur wenige Jahre später, 1863, wurde an der Universität der Grundstock zur Sammlung für Ur- und Frühgeschichte gelegt, heute einer der ältesten und mit 45.000 Fundeinheiten größten Sammlungen ihrer Art an einer deutschsprachigen Hochschule.

Anfänge

Am Anfang stand kein gelernter Archäologe. Vielmehr kam der Anstoß zur Entwicklung des Faches in Jena von einem Autodidakten: Friedrich Klopfleisch (*1831, †1898), promovierter Kunsthistoriker, der seit 1859 an der Universität Jena lehrte, zuerst als Privatdozent und ab 1875 dann als Professor.

Von Beginn seiner Lehrtätigkeit an folgte Klopfleisch neben der Kunstgeschichte seiner zweiten, am Ende wahrscheinlich größten intellektuellen Leidenschaft: der Vorgeschichte. So beschäftigte er sich in seinen Vorlesungen auch mit den „vor-geschichtlichen“ Zeiten Europas und wurde damit zum Begründer der prähistorischen Archäologie an der Universität Jena ‒ die damit ihrerseits zu den ersten Universitäten in Deutschland zählt, an denen dieses Lehrfach angeboten wurde.

Klopfleischs Interesse brachte ihn auch dazu, Ausgrabungen in Jena und Weimar sowie den benachbarten Landschaften durchzuführen. Und so wurde Klopfleisch nicht nur zu einem großen Archäologen seiner Zeit, sondern führte auch ein, was bis heute das Spezifikum der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie an der Universität ist: das Dreigestirn aus Forschung, Lehre und umfangreicher archäologischer Sammlung.

Konsolidierung

Im Jahr 1898 starb Klopfleisch. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu einer Verfestigung der dreigliedrigen Struktur. Dies ist, wie so häufig in solchen Fällen, dem Einsatz einzelner Personen zu verdanken.

Da ist zum einen Gustav Eichhorn zu nennen (*1862, †1929). Hauptberuflich Arzt, bemühte er sich vor allem um die Systematisierung und Vergrößerung der archäologischen Sammlung. Dann Gotthard Neumann (*1902, †1972), der zweiten zentralen und bis heute wirkungsmächtigsten Figur jener Jahre: Denn war vieles von dem, was Eichhorn tat, noch tastender Natur, ein Ausprobieren und Suchen nach dem richtigen Weg, war Neumann derjenige, unter dem die Organisation von Forschung, Sammlung und Lehre eine konsolidierte Form fand.

Neumann führte Lehrstuhl und Sammlung, die damals noch ein eigenes Museum umfasste (das „Germanische Museum“), bis zum Ende des Nationalsozialismus: Dabei zog er durchaus Nutzen aus der Aufwertung der „Ur- und Frühgeschichte“ durch die Nazis. Gleichwohl spricht es für Neumann, dass er der Ideologisierung archäologischer Forschung keinen Vorschub leistete. Eher weisen Inhalt und Ausdruck seiner Veröffentlichungen aus diesen Jahren auf eine neutrale Darstellung archäologischer Sachverhalte hin.

Neuanfang – Krise – zweiter Neuanfang

Nach dem Krieg verlor Neumann seine Position an der Universität Jena. Die Lehre ruhte in den folgenden Jahren. Erst im Herbst 1947 wurde sie wieder aufgenommen, und zwar durch den Prähistoriker Günther Behm (*1912, †1994, ab 1953 Behm-Blancke). Im Jahr 1953 kehrte außerdem Neumann als Professor an Institut und Sammlung zurück, wo er bis er zu seiner Emeritierung 1967 blieb.

Das Jahr 1947 markiert dabei auch den Moment, ab dem das zentrale Museum zur Vor- und Frühgeschichte in Thüringen von Jena nach Weimar verlagert wurde; was in Jena verblieb, war allerdings nichts Geringeres als die umfangreiche Sammlung selbst, mitsamt dem zugehörigen Archiv – bis heute.

Dessen ungeachtet handelt es sich nach 1945 um eine Zeit vergleichsweise großer Stabilität für Sammlung und Institut. Die vor dem Krieg aufgebauten und etablierten Strukturen wurden fortgeführt und bildeten den Rahmen für die wissenschaftliche Prosperität der folgenden Jahre.

Bis zum Jahr 1968: Dieses Jahr sah den bis dahin größten Einschnitt in der Entwicklung des Faches an der Universität Jena. Im Zuge der dritten Hochschulreform der DDR wurde in Jena das Fachstudium „Archäologie der Ur- und Frühgeschichte“ eingestellt, was blieb war einzig die Beteiligung am Studium Lehramt Geschichte.

Doch so tief der Einschnitt von 1968 auch war: Er hätte noch weit schmerzhafter ausfallen können. So aber war immerhin ein Mindestmaß an struktureller Kontinuität gewährleistet; und dieses Mindestmaß bildete 1991 die Grundlage für die Wiederaufnahme der regulären Hochschullehre im Fach „Archäologie der Ur- und Frühgeschichte“ in Folge der politischen Wende.

Damit begann eine zweite Phase struktureller und wissenschaftlicher Stabilität, die bis heute andauert. Kern ist, wie bereits vor über 100 Jahren, die Verknüpfung aus Forschung, Lehre und Sammlung. Prägend für diese Phase sind die Professoren Karl Peschel (*1934), der bereits 1969 maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Reformen des Jahres 1968 vergleichsweise milde ausgefallen waren, und Peter Ettel (*1960) für die Vor- und Frühgeschichte sowie Dietrich Mania (*1938) und Clemens Pasda (*1964) für die Urgeschichte.

Ausführliche Informationen:

http://www.ufg.uni-jena.de/Institut/Geschichte.html

Abbildung:

Professoren am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Jena bis zum Jahr 2000. a: Friedrich Klopfleisch, b: Gustav Eichhorn, c: Gotthard Neumann, d: Günther Behm-Blancke, e: Karl Peschel und f: Dietrich Mania. – a-e: Ettel 2016 (im Druck); f: Uni Journal Jena Juni 2002.

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