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Projekte

DFG-Projekt Belegwörterbuch des Sabäischen

Unter den vier altsüdarabischen Idiomen Sabäisch, Qatabanisch, Minäisch und Ḥaḍramitisch ist das Sabäische mit Abstand am besten dokumentiert. Bislang sind mehr als 5000 Inschriften publiziert, deren überwiegender Teil in Monumentalschrift auf Steinblöcken, Metalltafeln, beschrifteten Objekten sowie Felswänden angebracht ist. Ein kleinerer Teil ist in Minuskelinschrift auf Holzstäbchen und Palmblattrippen niedergelegt. An Textgattungen liegen neben Widmung-, Bau- und Grabinschriften auch Gedenkinschriften sowie juristische Texte wie Verordnungen und Dokumente vor, zudem sind unter den Minuskelinschriften auch Wirtschaftstexte und Briefe überliefert.

Die sabäischen Inschriften decken mit einer dokumentierten Überlieferungsgeschichte vom 8. Jahrhundert vor Christi bis zum 6. Jahrhundert nach Christi einen Zeitraum von 1400 Jahren ab und bilden inhaltlich wie zeitlich ein Bindeglied zwischen den altorientalischen Hochkulturen und dem entstehenden Islam.

Mit der kulturgeschichtlichen Bedeutung dieser reichhaltigen Überlieferung halten die vorliegenden Hilfsmittel zur Erschließung des epigraphischen Corpus jedoch nur teilweise Schritt. Während die grammatikalische Aufarbeitung des Altsüdarabischen in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, sind wir im Bereich der Lexikographie bis heute auf Werke aus den frühen 80er Jahren angewiesen, die dem seither immens angewachsenen Material keineswegs mehr gerecht werden. Ein umfassendes Wörterbuch des Sabäischen steht bislang aus.

Diese Lücke zu schließen, ist Ziel des vorliegenden Projektes der Universität Jena, das seit September 2012 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Langfristvorhaben gefördert wird. Dieses Vorhaben wird den lexikalischen Bestand des Sabäischen erstmals präsentieren.

Ziel des Projektes ist ein Belegwörterbuch des Sabäischen, welches sich an ein breites wissenschaftliches Publikum richtet und auch dem Nicht-Spezialisten schnellen Zugriff ermöglicht.

Dabei werden nicht nur alle Belege systematisch aufbereitet, sondern signifikante Verwendungen werden auch im Kontext und in Übersetzung präsentiert.

Das lexikalische Material wird hierbei auf zwei verschiedenen Wegen zugänglich gemacht. Zum einen werden die Ergebnisse projektbegleitend laufend im Internet publiziert. Diese allgemein zugängliche Internetpublikation wird durch komfortable Suchfunktionen ein philologisches Arbeitsmittel bereitstellen, dessen Möglichkeiten über die eines klassischen Wörterbuches hinausreichen. Zum anderen soll nach Abschluss des Projektes die gedruckte Publikation erscheinen.

Die Arbeit am Wörterbuch ist modular organisiert und erfolgt datenbankgestützt. Die Grundeinheit bilden dabei nicht Lemmata in alphabetischer Abfolge, sondern die publizierten sabäischen Texte, die, corpusmäßig nach Inschriftengattungen sortiert, elektronisch verzettelt und bearbeitet werden. Die einzelnen Lemmata werden auf Grundlage dieser Bearbeitungen zusammengestellt und durch weiteres Material ergänzt. Aufgrund der datenbankgestützten Arbeitsweise können im Bearbeitungsprozess neu hinzukommende Belege kontinuierlich nachgetragen werden. Über die Jahre wird daher nicht nur die Anzahl, sondern auch der Umfang der Lemmata stetig anwachsen.

Die erste, seit Herbst 2012 laufende dreijährige Bewilligungsphase erschließt die mittelsabäischen Widmungsinschriften aus der sabäischen Hauptstadt Mārib. Diese Texte beinhalten eine Vielzahl historischer Berichte, welche durch eine entsprechende lexikalische Aufbereitung möglichst bald einem weiteren Nutzerkreis zugänglich gemacht werden sollen. Das gut verständliche Material lässt überdies schnelle Ergebnisse erwarten.

Internetpräsenz:

Website: http://sabaweb.uni-jena.de/
GEPRIS: http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/210365926  


Leitung und Kontakt:

Prof. Dr. Norbert Nebes


Bearbeiter:

Dr. Anne Multhoff

Mariam Kilargiani, M.A.



Software-Entwickler:

Heiko Werwick

 

Pressemitteilungen:

21.09.2016: Archäologie im Kriegsgebiet. Altertumswissenschaftler aus dem Jemen zu Gast an der Universität Jena
07.09.2016: Alte Sprache wird im Internet lebendig. Sabäisches Wörterbuch der Universität Jena ist online
21.12.2015: Mehr als eine Königin. Erstellung des Sabäischen Wörterbuchs an der Universität Jena wird weiter gefördert
22.09.2014: Heimatkunde im Reich der Sabäer. Wissenschaftler aus dem Jemen weilt als Gast bei den Orientalisten der Universität Jena
20.02.2013: Die Türen zum Reich der Königin von Saba öffnen. Orientalisten der Universität Jena erstellen umfassendes Wörterbuch der sabäischen Sprache

Bar´an_klein

DAI Barʾān 2000-1: Feldzug des Šāʿirum ʾAwtar gegen die Kinda in Qaryat al-Faʾw (ca. 220-225), Foto: DAI

DFG Projekt: Kulturelle Kontakte zwischen Südarabien und Äthiopien: Rekonstruktion des antiken Kulturraums von Yeha (Tigray/Äthiopien)

Das von der Orientabteilung des DAI (Archäologie) und dem LS Semitische Philologie und Islamwissenschaft der FSU Jena (Epigraphik) durchgeführte Langfristvorhaben untersucht die kulturellen Kontakte zwischen den im frühen 1. Jt. v. Chr. aus Südarabien eingewanderten Sabäern und der in der Region Tigray ansässigen Bevölkerung. Im Vordergrund steht die Erforschung des Prozesses der Interaktion südarabischer und indigener Bevölkerungsgruppen. Den geographischen Schwerpunkt bildet der Fundplatz Yeha, der aufgrund seiner Monumentalarchitektur und schriftlichen Zeugnisse als politisches und religiöses Zentrum dieser kulturhistorisch bedeutendsten und nur ansatzweise erforschten Region am nördlichen Horn von Afrika gilt. Aufbauend auf den bisher bekannten archäologischen und epigraphischen Hinterlassenschaften und den zu erwartenden Ergebnissen in Yeha und Umgebung sollen die Entstehung und der Wandel dieses Kulturraums analysiert und mögliche Traditionslinien bis in die aksumitische Zeit aufgezeigt werden. Eingebunden sind auch ethnohistorische Forschungen, die aufgrund der konservativen Erinnerungslandschaft von Tigray methodisch begründete Rückschlüsse auf antike Gesellschaftsformen und Lebensweisen erlauben. Darüber hinaus werden von verschiedenen Kooperationspartnern geoarchäologische Untersuchungen durchgeführt, die die Paläoumwelt, Klimageschichte und Ressourcennutzung rekonstruieren und zur Klärung der Subsistenzformen beitragen. Durch die Einbeziehung unterschiedlicher kulturhistorischer und naturwissenschaftlicher Fachgebiete sowie modernster Dokumentationstechniken wird eine den heutigen wissenschaftlichen Anforderungen entsprechende Erforschung einer antiken Kulturlandschaft gewährleistet.


Das in Jena durchgeführte epigraphische Teilprojekt umfaßt:

  1. Untersuchungen zu Formular und Inhalt der äthio-sabäischen Königsinschriften. Die äthio-sabäischen Königsinschriften bilden innerhalb der "vor-aksumitischen" Schriftdokumente aus dem Raum Tigray und Akkälä Guzay die Textgattung mit den meisten Beispielen. Im altsüdarabischen Alphabet abgefaßt weisen sie in Sprache und Formular große Übereinstimmungen mit den entsprechenden altsabäischen Inschriften aus Südarabien aus der 1. Hälfte des 1. Jt. v. Chr. auf, zeichnen sich aber auch durch signifikante Unterschiede zu diesen aus. In einer eigenen Untersuchung sollen diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede systematisch evaluiert werden - auch unter der Fragestellung, inwieweit sie Einblick in die politische, soziale und religiöse Geschichte des Gemeinwesens von DʿMT gewähren. Darüber hinaus werden auch neue Grabungsergebnisse aus Yeha und Umgebung miteinbezogen, die eine detaillierte chronologische Verortung dieser Textgruppe im frühen 1. Jt. v. Chr. erlauben. (Norbert Nebes)

  2. Eine kritische Neuedition der äthio-sabäischen Inschriften des RIÉ (Recueil des inscriptions de l’Éthiopie des périodes pré-axoumite et axoumite). Die Inschriften sollen vor dem Hintergrund des gesamten, bis dato publizierten altsüdarabischen Textcorpus philologisch bearbeitet und übersetzt werden. Neben der systematischen Darstellung der Grammatik und des Lexikons liegt ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit auf Untersuchungen zur Paläographie der Monumentalinschriften und der zahlreichen Graffiti. (Helen Wiegleb)

  3. Ethnohistorische Forschungen in Zentral-Tigray, Tigray als Erinnerungslandschaft. Gegenstand der ethnohistorische Forschungen sind Dokumentation und Analyse des lokalen Wissens und der traditionellen Praktiken sowie deren sprachlicher und kultureller Kontext. Untersucht wird dabei die materielle Kultur in ihrem Kontext, die vielfach Erklärungen für Funde liefert. Im Anschluss werden die mündlichen Überlieferungen zur Kultur und Siedlungsgeschichte in Zentraltigray dokumentiert und auf ihre Grundmuster analysiert, die in Teilen Erinnerungen an antike Ethnonyme, Kulturtechniken und Ereignisse bewahren. (Wolbert Smidt)

Projektleiter

Prof. Dr. Norbert Nebes

 

Mitarbeiter

Helen Wiegleb, B.A.

Dr. Wolbert Smidt, Mekelle University (Tigray)

 

Pressemitteilungen

21.12.2017: Ostafrikas größte Baumeister in der Antike
13.03.2017: Restaurierung am 2.700 Jahre alten Tempel in Yeha (Nordäthiopien) erfolgreich abgeschlossen

23.08.2016: Antike Auswanderer. Altertumswissenschaftler der Universität Jena erforschen die Spuren der Sabäer in Äthiopien

 

Weiterleitung zum DAI

https://www.dainst.org/projekt/-/project-display/92320 


Almaqah Heiligtum klein

Das Heiligtum des sabäischen Hauptgottes Almaqah in Yeha (Tigray/Äthiopien), Foto: Pawel Wolf

 

 

Katalogisierung der Orientalischen Handschriften in Deutschland (KOHD), Arbeitsstelle Jena

Die Katalogisierung der Orientalischen Handschriften in Deutschland ist ein wissenschaftliches Langzeitprojekt, das 1957 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft begonnen wurde und seit 1989 unter der Verantwortung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen mit finanzieller Unterstützung aus dem Bund-Länder-Programm fortgeführt wird. Seit April 2013 ist Prof. Dr. Tilman Seidensticker Leiter des Gesamtprojekts und Herausgeber des Verzeichnis der Orientalischen Handschriften in Deutschland (VOHD). Derzeit gibt es sechs Arbeitsstellen, von denen eine seit 1997 in Jena beheimatet ist. Ziel des Unternehmens ist die Identifizierung der sehr hohen Bestände an unkatalogisierten orientalischen Handschriften in deutschen Bibliotheken. Die Zahl dieser "begrabenen" Handschriften allein in arabischer, persischer und türkischer Sprache geht in die Zehntausende. Für die Orientalistik stellen diese Fälle einen Unsicherheitsfaktor dar, der Forschungsergebnisse von einem Tag zum anderen völlig in Frage stellen kann. Im Oktober 2014 ist eine letzte Arbeitsphase des Projekts von 2016 bis 2022 von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz bewilligt worden.

Die bisher erschienen Bände des VOHD sind hier nachgewiesen.

Die Jenaer Arbeitsstelle hat einen Mitarbeiter, Herrn PD Dr. Florian Sobieroj. Florian Sobieroj hat die unkatalogisierten Orientalia aus drei Bibliotheken in Thüringen (Jena, Weimar, Gotha) beschrieben und katalogisiert gegenwärtig die arabischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München sowie der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

Bis September 2015 hat auch Frau Dr. Rosemarie Quiring-Zoche in der Arbeitsstelle gearbeitet und dabei die arabischen Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin katalogisiert.

Der Leiter der Arbeitsstelle, Prof. Dr. Tilman Seidensticker, hat arabische Handschriften der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen bearbeitet (VOHD XVIIB, 4, erschienen 2005). Er war ferner an der Ausstellung "Orientalische Buchkunst in Gotha" (1997) beteiligt und ist Mitverfasser des gleichnamigen Ausstellungskatalogs. Er ist Mitantragsteller im SFB 950 "Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa" der Uni Hamburg.

Die Jenaer Arbeitsstelle besitzt eine umfangreiche Fachbibliothek an Handschriftenkatalogen, vorwiegend arabistischer Ausrichtung, die auch Gästen zur Verfügung steht. Untergebracht ist sie zur Zeit im Löbdergraben 24a.

Die Publikationen der Arbeitsstelle zu handschriftbezogenen Themen können Sie hier einsehen.

 

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Tilman Seidensticker 

 

Pressemitteilungen:

21.03.2013: Die verborgenen Schriften der Bibliotheken. Prof. Dr. Tilman Seidensticker von der Universität Jena leitet Katalogisierungsprojekt

SFB 950, Teilprojekt "Der Umgang mit Koranmanuskripten in der islamisch-arabischen Kultur am Beispiel von Klein- und Rollenkoranen"

Dass Koranmanuskripten jenseits ihrer Funktion als Textträger für das Rezitieren, Lernen und die Auslegung auch apotropäische, heilende, segnende und anderweitige symbolische Wirkungen zugeschrieben wurden, ist aus einigen Manuskripten selbst evident und auch durch entsprechende Informationen aus vormodernen arabischen Quellen sowie aus neuzeitlichen europäischen Reiseberichten bekannt. Im Teilprojekt sollen diese Gebrauchsweisen am Beispiel der kleinformatigen und auf Rollen geschriebenen Koranmanuskripte untersucht werden, die erkennbar nicht primär für das Lesen oder die Rezitation bestimmt waren. Beide Sonderformen sind schon seit frühabbasidischer Zeit bezeugt. Ihre Funktionen sollen anhand der erhaltenen Objekte aus mehreren Bibliotheken und den Hinweisen im arabischen Schrifttum ermittelt werden. Dabei wird neben der schützenden und segnenden Wirkung solcher Manuskripte auch der weitere Kontext der arabischen Kleinformate („Taschenbücher“) sowie der Rollenmanuskripte mit nichtkoranischem Inhalt zu berücksichtigen sein; grundsätzlich ist von einer potentiellen Gleichzeitigkeit mehrerer Funktionen auszugehen.

 

Leitung und Kontakt:

Prof. Dr. Tilman Seidensticker

 

Mitarbeiter:

Cornelius Berthold, M.A.