DFG-Projekt "Neuedition und vergleichende Analyse der beiden babylonischen Dichtungen „Babylonische Theodizee“ und Ludlul bēl nēmeqi „Preisen will ich den Herrn der Weisheit“ (2010-2013)

Leitung:
Prof. Dr. M. Krebernik

Mitarbeiter:
Dr. Takayoshi Oshima

Laufzeit:
3 Jahre (nach Ablauf am 31.05. kostenlos verlängert bis 31.08.2013)

 

Die in mittelbabylonischer Zeit entstandenen Dichtungen "Babylonische Theodizee" (11. Jh.) undLudlul Bēl Nēmeqi (wohl 13. Jh. v. Chr.) werden traditionell der sog. "Weisheitsliteratur" zugerechnet. Beide kreisen um das Problem der Theodizee. Die "Babylonische Theodizee" ist ein Dialog zwischen einem vom Unglück verfolgten Beschwörungspriester und seinem gelehrten Freund, der dem klagenden Gesprächspartner Rat und Trost zu spenden versucht. In Ludlul Bēl Nēmeqi verliert ein hochgestellter Bürger trotz Wohlverhaltens den Göttern gegenüber Wohlstand und Gesundheit. Anfänglich gelingt es ihm nicht, die Ursache seiner Leiden ausfindig zu machen, doch dann erkennt er in diesen die Strafe dafür, daß er den Tempel des babylonischen Hauptgottes Marduk vernachlässigt hat. Schließlich wird sein Glück von Marduk wiederhergestellt. Der erhaltene Teil der Dichtung schließt mit einem hymnischen Preis Marduks und seiner Gemahlin Zarpanitum.

Diese beiden bedeutenden altorientalischen Dichtungen haben vor allem wegen ihrer Ähnlichkeiten mit dem alttestamentlichen Hiob-Buch die Aufmerksamkeit vieler Forscher auf sich gezogen; sie suchten nach dem zentralen Anliegen der Texte und gelangten dabei zu unterschiedlichen Auffassungen. Keine der bisherigen Interpretationen bietet jedoch eine gänzlich zufriedenstellende Erklärung für die raison d'être beider Dichtungen.

 

Ziele des Projekts sind:

  1. Neuedition beider Dichtungen auf der Grundlage aller bekannten sowie zahlreicher neu identifizierter, noch unpublizierter Manuskripte;
  2. vergleichende Analyse von Form und Inhalt beider Dichtungen;
  3. Untersuchung zum Entstehungshintergrund der beiden Dichtungen unter Heranziehung historischer und wirtschaftsgeschichtlicher Quellen;
  4. Einordnung der beiden Dichtungen in den weiteren Kontext der altorientalischen Literatur- und Religionsgeschichte.