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33. Deutscher Orientalistentag

Abschlussbericht 33. Deutscher Orientalistentag (18.–22. September 2017)

Am Freitag, dem 22. September 2017, ist der 33. Deutsche Orientalistentag (DOT) in Jena zu Ende gegangen. Der internationale Fachkongress für Orientwissenschaften, mit 1000 Teilnehmern aus rund 50 Ländern eine der größten Veranstaltungen ihrer Art weltweit, wurde zum ersten Mal von der Friedrich-Schiller-Universität ausgerichtet. Das wissenschaftliche Programm aus Vorträgen und Workshops in bis zu 25 parallel laufenden Panels und Sektionen bildete das gesamte Spektrum der orientbezogenen Forschung ab – von Nordafrika bis Fernost, von den ältesten Kulturen bis in die Gegenwart. Für die fünftägige Großveranstaltung bot der Campus der FSU ideale Rahmenbedingungen, konnten doch alle Veranstaltungen unter einem Dach abgehalten werden, was einen intensiven Austausch zwischen den Vertretern unterschiedlicher Disziplinen ermöglichte.

Seit nunmehr fast einem Jahrhundert hat sich der DOT, der nach Halle (2004) erneut im Osten Deutschlands stattfand, als internationales Podium der orientbezogenen Fächer etabliert, die sich unter dem Dach der 1845 gegründeten Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) dem Ziel der Vertiefung und Verbreitung der Kenntnis der orientalischen Welt verschrieben haben. Die philologisch-historische Grundlagenforschung bildet nach wie vor das „Kerngeschäft“ dieser Fächer, was sich auch im Programm des Jenaer DOT wieder in zahlreichen Vorträgen und Panels zu grammatikalischen, lexikalischen und literaturgeschichtlichen Aspekten diverser orientalischer Sprachen niederschlug. Daneben treten in jüngster Zeit vermehrt interdisziplinäre Forschungsansätze gemeinsam mit anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen, aber auch mit naturwissenschaftlichen Fächern, wie die vom Astrophysikalischen Institut der FSU oder vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena verantworteten Panels belegen. Gleich mehrere Veranstaltungen waren den Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung in den Geisteswissenschaften gewidmet.

Daß die moderne Orientalistik sich auch den tagesaktuellen Herausforderungen stellt, zeigt das stetig gewachsene Interesse an den gesellschaftspolitisch orientierten Sektionen auf dem DOT. Dies wurde bereits im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung deutlich: Die Festrednerin, Prof. Madawi Al-Rasheed (London), betonte in ihrem Referat die besondere Verantwortung der Wissenschaftler und Intellektuellen in der krisengeschüttelten Gegenwart. Dass die Herausforderungen, mit denen sich Europa derzeit konfrontiert sieht, nur durch gegenseitiges Verstehen und nicht durch Abschottung bewältigt werden können, hob auch der Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, Bodo Ramelow, in seiner Ansprache hervor. Die Voraussetzungen für ein solches Verständnis können freilich nur durch eine fundierte Kenntnis der Ursachen und historischen Begleitumstände der (vermeintlich) fremden Kulturen geschaffen werden. Dieses Anliegen verfolgte der Jenaer Orientalistentag mit seinem Motto „Asien, Afrika und Europa“.

Die vielfältigen geistigen Bezüge, der intensive fruchtbare Kulturaustausch zwischen den Kontinenten seit dem Altertum sind heute in der öffentlichen Wahrnehmung verblasst. Um das Potential der orientalistischen „Orchideenfächer“ auch außerhalb des wissenschaftlichen Diskurses zu demonstrieren, wurden im Rahmen des DOT vier Abendvorträge angeboten, zu denen die Öffentlichkeit geladen war: Sie spannten einen Bogen von der Bedeutung Thüringens für die Indologie über die babylonischen Grundlagen der Astronomie und das Wassermanagement auf der Osterinsel bis hin zur Bedeutung der mittelalterlichen arabischen Gelehrsamkeit für die Philosophie. Die wissenschaftlichen Begleitausstellungen werden auch nach Ende des Kongresses noch eine Zeitlang für die Öffentlichkeit geöffnet bleiben. Einen nachhaltigen Eindruck wird der Jenaer DOT schließlich bei den internationalen Gästen mit seinem wissenschaftlichen Exkursionsprogramm nach Erfurt und Gotha hinterlassen haben.

Zur Homepage des 33. DOT: www.dot2017.de

 

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