DOG-Projekt: Digitalisierung der äthio-sabäischen Inschriften

DOG-Projekt: Digitalisierung der äthio-sabäischen Inschriften (August 2010 - März 2011)

Die äthio-sabäischen Inschriften stellen bis heute die einzige schriftliche Quelle dar, die Nachrichten über das im frühern 1. Jt. v. Chr. im äthiopischen Hochland existierende Königreich D´MT enthalten. Diese schriftlichen Zeugnisse sind in südarabischer Schrift und in sabäischer Sprache verfasst. Zusammen mit den Zeugnissen der materiellen Kultur deuten die Inschriften auf eine enge kulturelle Verbindung nach Südarabien, bis hin zu Nachrichten über die Anwesenheit sabäischer Steinmetze in Äthiopien. Jedoch zeigt die Sprache der Inschriften eine Reihe morphologischer und lexikalischer Abweichungen vom Sabäischen. Außerdem beinhalten die Inschriften inhaltliche, auf einheimische Tradition zurückzuführende Elemente, so z.B. die Nennung der weiblichen Linie in der Titulatur des Herrschers, sowie zahlreiche Eigennamen, deren Ursprung nicht auf der Arabischen Halbinsel zu suchen ist.

 

RIÉ 1 (Foto Norbert Nebes)

Die Inschrift des Waʿrān Ḥaywat RIÉ 1 (Museum Axum, Foto Norbert Nebes)

 

Gleichwohl die Ausführung der Kultbauten sowie die  der Inschriften von einer hochentwickelten Kultur  Zeugnis ablegen, liegen sowohl das Aufkommen als auch der Untergang des Königreichs D´MT im Dunkeln. Dem epigraphischen Material aus Äthiopien kommt eine entscheidende Rolle für die Klärung der außen- und innenpolitischen sowie sozioethnischen Aspekte der äthiopischen Gesellschaft in diesem Zeitraum zu. Bis dato bleibt das Textmaterial auf 190 Inschriftennummern begrenzt. Der Großteil dieses Materials trat in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jh. zutage. Weitere Funde wurden seit der Mitte der 90er Jahren gemacht.

Angesichts der geringen Zahl der Inschriften ist die detaillierte Analyse jeder einzelnen Nummer von besonderer Bedeutung. Für eine umfassende Bearbeitung der Texte wurde mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Orientgesellschaft (DOG) die Aufnahme der Inschriften in eine elektronische Datenbank vorgenommen. Der in der transkribierten Form aufgenommene Inschriftentext wurde mit den Kommentaren und verschiedenen Angaben wie Fundort, Schriftträger, Genres etc. versehen. Das in EDV-Format vorliegende Inschriftenkorpus ermöglicht nicht nur ein effizientes Aufsuchen der einzelnen Lexeme und Textpassagen, sondern ist in eine Datenbank überführt, welche alle altsüdarabischen bis dato publizierten Inschriften umfasst, die die Grundlage des in Arbeit befindlichen Onlinewörterbuches des Sabäischen bilden.        

 

Verantwortlich:

Prof. Dr. Norbert Nebes

 

Mitarbeiter:

Mariam Kilargiani, M.A.